Krebs und Beruf Teil I – Krankengeld und Gehalt

Soziale Dimensionen von Krebserkrankungen und die Folgen für das Berufsleben

Krebs verändert das Leben – für die PatientInnen bedeutet er oft „den Sturz aus der normalen Wirklichkeit“. Eine große Veränderung nicht nur medizinisch, sondern auch sozial: Einkommensverluste, Arbeitsplatzunsicherheit und psychische Belastungen sind häufige Folgen.

Ein ganz wesentlicher Bestandteil im Leben vieler KrebspatientInnen ist ihr Beruf. Berufstätig zu sein ist die Grundlage für finanzielle Sicherheit, bedeutetet einen Teil der eigenen Identität und verleiht dem Leben Sinn und Struktur. Ein Teil der PatientInnen ist dennoch gezwungen, für die Dauer der Therapie in den Krankenstand zu gehen, weil Ihre berufliche Tätigkeit zum Beispiel körperlich zu beanspruchend ist. Andere nehmen sich zunächst vor weiterzuarbeiten (nicht zuletzt auch aus Angst vor einer Kündigung) und laufen damit Gefahr, sich zu überfordern.

Zu Beginn 2023 lebten 2,3% der österreichischen Gesamtbevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren mit oder nach einer Krebsdiagnose (Prävalenz), dies sind insgesamt rund 140.000 Personen (59.448 Männer und 77.960 Frauen). Das bedeutet auch, dass etwas mehr als 40 % der neu diagnostizierten Personen sich in Ausbildung oder im Berufsleben befanden.

Da das Risiko, an Krebs zu erkranken, mit dem Alter deutlich ansteigt, betrifft der überwiegende Teil der Neuerkrankungen Menschen in höherem Alter. Dennoch zeigt die aktuelle Analyse des Österreichischen Krebsreport, dass durchschnittlich rund 15.100 Personen, die in einem Kalenderjahr eine Krebsdiagnose neu erhalten, zwischen 15 und 64 Jahre alt sind.

Gehalt und Krankengeld – Wie lange haben PatientInnen Anspruch?

 1 Jahr Betriebszugehörigkeit: 6 Wochen weiterhin 100 % des Gehalts , 2–15 Jahre: 8 Wochen, 16–25 Jahre: 10 Wochen, 26 Jahre: 12 Wochen

Danach haben PatientInnen noch 4 Wochen Anspruch auf je die Hälfte vom Arbeitgeber und die Hälfte von der Krankenkasse, d. h. 50 % des Gehalts und 50 % des Krankengeldes (50 % des Bruttogehalts).

Anschließend haben PatientInnen 26 bis 52 Wochen, maximal jedoch 78 Wochen nur noch Anspruch auf Krankengeld von der Krankenkasse = 60 % des Bruttogehalts, was mit einem weiteren finanziellen Verlust verbunden ist.

Quelle: https://www.krebsreport.at/ ( 7.12.2025) , https://www.krebshilfe.net/ 7.12.2025)

Foto: Pixabay

Krisenhotlines Österreich

Bei psychischen oder suizidalen Krisen sowie im akuten Notfall ist es wichtig, rasch Krisentelefonnummern und Notrufnummern bei der Hand zu haben. Notieren Sie sich am besten die für Sie relevanten Nummern, und tragen Sie diese immer bei sich, oder speichern Sie sie in Ihr Handy ein.

KRISENHOTLINES ÖSTERREICH

Wien
Sozialpsychiatrischer Notdienst und Psychosoziale Information 24 Stunden Notruf
Tel. 01 – 31 330

Kriseninterventionszentrum Mo-Fr 10:00 – 17:00 Uhr
Tel. 0 – 4069 595

Frauennotruf 24 Stunden Notruf
Tel. 01 – 71 71 9

Krisentelefon 24 Stunden Notruf
Tel. 0800 – 202 016

Psychosozialer Dienst Baden
Tel. 02252 – 89696 – 15

Kinder und Jugendliche Rat auf Draht
Tel. 147

Kindernotruf 24 Stunden Notruf
Tel. 0800 – 67 567
kindernotruf@kindernotruf.at

Mädchentelefon
Tel. 0800 – 21 317

Ö3 Kummernummer täglich 16 – 24 Uhr
Tel. 116 123

Telefonseelsorge   24 Stunden Notdienst (Sofortchat, auch per WhatsApp)
Tel. 142

Rat und Hilfe bei Suizidgefahr
Tel. 0810 – 977 155

Frauennotruf 24 Stunden Notruf
Tel. 0800 – 222 555

Weisser Ring Opfer Notruf
Tel. 0800 – 112 112

Besinnliche Weihnachten

Die schönste Zeit des Jahres naht, die wir traditionell mit Frieden und Ruhe verbinden. Doch wie PsychologInnen und PsychotherapeutInnen aus ihrer Praxis bestätigen, kann Weihnachten für viele Menschen eine große Herausforderung darstellen.

Stress ist ein normaler Bestandteil unseres Alltags. Er kann positiv sein (sogenannter Eustress), der kann uns auch zu besseren Leistungen verhelfen, doch die meisten von uns erinnern sich eher an die negativen Seiten von Stress.

Weihnachten sollte ein Fest der Ruhe und Besinnung sein, ist aber auch mit vielen Regeln und Erwartungen verbunden. Der Druck, ein „perfektes“ Fest mit einem perfekten Weihnachtsessen und einem harmonischen Familientreffen zu erleben, kann den psychischen Stress verstärken.

Weihnachten weckt viele Emotionen. Neben den Vorbereitungen haben wir alle schon viele Weihnachtsgeschichten erlebt, die nicht immer von Frieden und Wohlbefinden geprägt waren. Das Thema Weihnachten taucht auch in der Psychotherapie auf. Alleinlebende kämpfen mit Einsamkeit oder dem Gefühl, Weihnachten nicht allein verbringen zu wollen. Und für Menschen mit Familie tauchen möglicherweise Beziehungsprobleme auf.

Da Familien während der Feiertage mehr Zeit miteinander verbringen als üblich, kommen Themen wieder ans Licht, die im Laufe des Jahres vernachlässigt wurden. Alte Konflikte und Verletzungen, die wir das ganze Jahr über unterdrückt haben, können nun angesprochen werden.

Nicht nur zu Weihnachten, sondern auch in anderen schwierigen Zeiten ist es wichtig, zur inneren Ruhe zurückzufinden. Ein einfacher Spaziergang, Zeit mit einem Buch oder Musik oder ein Gespräch mit einem anderen Menschen können dabei helfen. Wenn es zu viel wird, können sie ihre Position in Raum wechseln, aufstehen, oder auch den Raum verlassen, um sich den Konflikten und damit entstandenen Emotionen zu entziehen.

Es ist wichtig zu wissen, warum ich mich auf Weihnachten freue oder nicht. Was ist mir wichtig? Was sollte meiner Familie wichtig sein? Ob es nun Geschenke, Süßigkeiten oder ob es die gemeinsame Zeit ist.  Weihnachten ist zwar ein Fest des Überflusses, aber manche Dinge sollte man nicht übertreiben – insbesondere den Alkoholkonsum. Übermäßiger Alkoholkonsum ist eine weit verbreitete Bewältigungsstrategie, Alkohol wirkt zudem dämpfend und kann Angstzustände und Depressionen verschlimmern.

Wenn sie in dieser Zeit eine Unterstützung benötigen, wenden Sie sich an meine Praxis unter der Tel. Nr. 0664 37 56 871

 

 

Ghosting

Ghosting – eine plötzliche Beendigung der Kommunikation ohne Erklärung ist schmerzhaft. Eine Person verschwindet aus dem Leben des Anderen, indem sie nicht auf Nachrichten, Anrufe oder andere Formen des Kontakts reagiert. Was tun, um Verletzungen zu vermeiden?

Bei der endgültigen Entscheidung, eine Beziehung zu beenden, wird die für die jeweilige Person am besten geeignete Strategie gewählt. Manche Strategien sind sensibler und mitfühlender als andere, insbesondere solche, die direkt und klar sind. Eine direkte Trennung erfordert ehrliche und klare Kommunikation zwischen den Partnern, während eine indirekte Trennung unklar und verwirrend ist. Ghosting verringert automatisch die Möglichkeit von Akzeptanz und Verständnis. Lt. Fachliteratur ist in ernsthaften Beziehungen ein direktes Gespräch bei der Trennung unerlässlich, weil es sonst nicht möglich ist, die Partnerschaft vollständig zu lösen und die Beziehung somit für beide Partner zu beenden.

Die Gründe, warum Menschen Ghosting als Trennungsstrategie wählen, sind unterschiedlich. Die meisten Befragten geben an, dass es einfacher sei, als ein persönliches Gespräch zu führen und sich mit den Emotionen des Partners auseinanderzusetzen. Sie fühlen sich nicht wohl dabei, den Partner mit eigenen negativen Seiten zu konfrontieren, und ziehen sich zurück,  wodurch der Aufwand und die emotionale Energie des Ghosters reduziert werden (Koesslerová, 2018). Ob die Beziehung nur kurz oder mehrere Jahre hält, kann ein weiterer Faktor sein, der die Wahl der Trennungsstrategie beeinflusst.

Ghosting-Opfer berichten oft, dass sie keine Warnsignale erhalten haben, bevor ihr Partner sie verlassen hat. Manchmal sendet der Ghoster diese Signale, doch der Partner versteht sie nicht oder ignoriert sie. Es kommt zu Veränderungen in der Kommunikation. Sie haben möglicherweise das Gefühl, dass ihr Partner bei Gesprächen nicht mehr anwesend ist, den Kontakt nicht erwidert, die Kommunikation nicht mehr auf Gegenseitigkeit beruht und sie möglicherweise schließlich völlig ignoriert werden (Le Febvre, 2017). Ein weiteres Anzeichen ist ein Verlust des Interesses am Partner, was sich als Abnahme von Aufmerksamkeit, Intimität und emotionaler Bindung äußert (Le Febvre et al., 2019).

Opfer des Ghostings sind oft überrascht und verbringen viel Zeit damit Erklärungen zu suchen und versuchen, den Partner telefonisch, per Nachricht (sofern er sie nicht blockiert hat) oder persönlich, z. B. durch einen Besuch bei ihm oder ihr zu Hause zu kontaktieren. Insbesondere Menschen, die durch die Trennung sehr belastet sind, neigen dazu, an ihrem Partner festzuhalten und dessen Aktivitäten auch nach der Trennung zu überwachen, unfähig, ihn loszulassen. Ein solches Verhalten verzögert die emotionale Genesung, weshalb es für den Menschen besser wäre, den Kontakt zu ihrem Partner vorübergehend oder dauerhaft vollständig abzubrechen (Campbell, 2020). Tun sie dies nicht, bleiben sie langfristig unsicher. Um die Unsicherheit zu unterdrücken suchen sie nach Erklärungen. Es kommt zu Selbstvorwürfen oder einer gestörten Selbstwertwahrnehmung.

Rationalisierung als Abwehrmechanismus ist dann für Ghosting-Opfer die einzige Möglichkeit, zu erklären, warum sie verlassen wurden und versuchen zu analysieren, warum ihr Partner das getan hat. Menschen, die geghostet wurden, fühlen sich austauschbar, ausgenutzt und haben Angst, dass sich eine ähnliche Situation in Zukunft wiederholen könnte. Manchmal jedoch empfinden Menschen nach einer Trennung Wut, die es ermöglicht sich klar zu machen dass , dass die Schuld nicht bei Ihnen, sondern beim Ghoster liegt.

Aus psychologischer Sicht wird empfohlen, den Partner nicht mehr zu kontaktieren, denn so gewinnt er noch mehr Macht über Sie. Stellen sie keine Fragen. Sie zeigen damit, dass sie sich weigern, dieses unfaire Spiel zu spielen. Auch wenn es schwerfällt.

Versuchen Sie, Sich abzulenken, anstatt das Telefon weiterhin zu hypnotisieren.  Atmen sie tief durch und fangen Sie an, sich auf sich selbst zu konzentrieren. Fragen Sie Sich, was kann ich tun, um trotzdem einen schönen Tag zu haben. Aktivitäten zu finden, vermindert die emotionale Belastung. Tun Sie alles, was Ihnen gut tut. Um die Perspektive zu ändern und diese Alternativen zu finden , kann die Psychotherapie hilfreich sein.

 

Maderová, A. (2021): Ghosting in romantischen Beziehungen im Zusammenhang mit Beziehungsbindung und der dunklen Triade. (Bachelorarbeit). Universität Trnava

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Wie FreundInnen unterstützen können

Wenn ein Freund oder Freundin unter Depressionen, oder anderen psychischen Belastungsreaktionen leiden, sagen sie ihr/ihm nicht, sie oder er „solle sich entspannen“ oder „positiv in die Zukunft schauen. Zuhören und unterstützen kann hilfreich sein. Ihre Freunde können Sie damit nicht heilen, sie oder er braucht dann wahrscheinlich professionelle Hilfe. Aber Sie bleiben als nahestehende Person, ein/eine FreundIn,  eine wichtige Stütze.

Die Gründe für die Entstehung einer Belastungsreaktion oder einer Depression sind vielfältig. Was nahestehenden Personen oft versuchen, ist die Gründe dafür zu pauschalisieren oder sie nehmen die Gefühle der Betroffenen nicht ernst.

Jeder Mensch ist individuell – was dem einem leicht fällt, kann für den anderen eine Katastrophe bedeuten. FreundInnen sollten also nicht werten. Sie sollten die unterschiedlichsten Probleme nicht vergleichen und ebenso die Fähigkeit der Menschen, damit fertig zu werden.

In der Psychologie sprechen wir von unterschiedlicher Resilienz – der psychischen Widerstandskraft, der Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen.

Wenn sie eine Freundin oder einen Freund haben, der belastet ist, lassen Sie sich nicht entmutigen, auch wenn Ihre Hilfe und Unterstützung zuerst abgelehnt wird. Es kann gut sein, das Angebot nach ein paar Tagen zu wiederholen.

Lassen Sie Ihren Freund oder Freundin wissen, dass Sie immer für sie oder ihn da sind. Sogar in der Nacht. Wichtig ist, dass er oder sie weisst, dass da jemand ist, an dem sie oder er sich wenden kann. Eine Person, der man trauen kann. Warten sie den Augenblick ab, wenn der oder die Betroffene selbst die Kapazität hat, über ihre Situation zu sprechen.

Es müssen auch nicht immer Worte sein. Versuchen sie, auch praktische Hilfe anzubieten. Seien sie der oder diejenige, die eine Fahrt zum Arzt übernimmt, oder einen Einkauf. Seien sie jemand, der etwas kocht, oder die Kinder zu einem Ausflug begleitet.

Es gibt kein richtiges Patentrezept, um einem nahestehenden Menschen, der unter psychischen Problemen leidet, zu unterstützen.

Seien Sie einfach da. Weichen sie nicht aus.

Vergleichen sie die Probleme nicht mit den Eigenen.

Hören Sie zu.

Finden sie einen Weg, Liebe und Unterstützung zu zeigen.

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